3.LigaLSCNACHWUCHSEIN JAHR PANDEMIE – INTERVIEW MIT JENS WARNCKE UND CHRIS STARK

2021-03-22 14:030
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Seit einem Jahr ist die Corona-Pandemie maßgeblich für das Welt-Geschehen verantwortlich. Chris Stark und Jens „Jenner“ Warncke berichten im Interview mit lscaktuell über ihre Erlebnisse, über die anstehenden Monate und über einen LSC-Spieler im Bundesliga-Einsatz.

 

lscaktuell: Hallo Jenner! Hallo Chris! Ein Jahr Corona Pandemie. Wie fällt ein Rückblick auf das vergangene Jahr für euch aus?

Chris Stark (39, Sportlicher Leiter LSC): Wir alle befinden uns ja seit knapp einem Jahr in einer außergewöhnlichen Situation, die man sich vorher nie hätte vorstellen können. In Bezug auf den Handball und die Lage beim LSC stelle ich nach wie vor eine große Solidarität und viel Verständnis für die Situation fest. Es ist natürlich schade, dass die Mannschaften, von Erster Mannschaft bis runter zu den jüngsten Handballern, ihre Saison nicht zu Ende spielen konnten. Es war vor allem mit Blick auf die 3. Liga mit sehr viel Hin und Her, Hoffen und Bangen und Organisation verbunden, auch in dieser Hinsicht hoffen wir einfach, dass das Impftempo zunimmt und wir unseren Sport so schnell wie möglich planmäßig ausüben können. Die vermehrte Zeit, insbesondere am Wochenende, konnte zum Beispiel für Weiterbildungsmaßnahmen genutzt werden.

Jens Warncke (41, Marketing Leiter LSC): Zudem starteten wir im Dezember ein soziales Projekt und initiierten eine Geschenke-Aktion für Longericher Bürger, da wurden wir mit strahlenden Augen und viel Dankbarkeit belohnt. Dieses Projekt hätte es möglicherweise ohne Pandemie wegen Zeitmangel nicht gegeben und soll nun fester Bestandteil im LSC-Kalender werden. Aber klar ist auch, dass wir und der LSC Vorstand aufgrund der Schwere der Situation nicht nur eine schlaflose Nacht hatten, da geht es dem Verein nicht anders als Betrieben, die aufgrund der neuen Situation um ihr Fortbestehen kämpfen müssen.

lscaktuell: Wie äußerten sich die Rahmenbedingungen in der täglichen Arbeit?

Chris Stark: Nahezu tägliches Auseinandersetzen mit neuen Hygienevorschriften, ständiger Austausch mit Gesundheitsamt und Sportamt der Stadt, Kommunikation mit den eigenen Trainern, Betreuern und Eltern, Anpassung der Trainingszeiten, Erstellung und Anpassung von Hygienekonzepten für alle Hallen, Organisation von Testungen für die Jungs der Ersten und so weiter. Aktuell haben wir es realisieren können, Outdoor-Trainingsmöglichkeiten für unsere Kids auf städtischen Außenanlagen zu organisieren, was im ersten Schritt auch bereits gut funktioniert hat und wir den U14 Mannschaften ein Trainingsangebot machen können.

lscaktuell: Was wird sich allgemein und mit Bezug auf den Handball durch die Pandemie verändern?

Chris Stark: Das Gesundheitsbewusstsein hat sich verändert und das wird in den Köpfen der Menschen bleiben. Als normale Begrüßungsgeste dürfte das Händeschütteln oder die Umarmung nicht mehr wie zuvor zurückkehren, nur noch bei speziellen Anlässen sowie engen Freunden und Verwandten. Ich denke, es verändert sich auch die Vorstellung von Verantwortung der Menschen. Gesundheit ist keine Privatangelegenheit mehr, das eigene Verhalten beeinflusst die Gesundheit der anderen. Vielleicht wird das ganz anderen Debatten wie der Klima-Frage neuen Schwung geben. Das Verhalten anderer wird kritischer beäugt, nehmen wir die anstehenden Fußball-Länderspiele oder Reisen nach Mallorca und Co. Eigentlich gönnt man den Menschen den Urlaubsaufenthalt, auf der anderen Seite weiß man, dass durch erhöhte Reisetätigkeit Covid stärker verbreitet wird, mehr Menschen erkranken und die Pandemie länger dauern wird.

Jens Warncke: Im Bezug auf den Handball, der sich durch Nähe auf dem Handballfeld aber auch durch Zusammenhalt, gemeinsamen Mitfiebern und Nähe zwischen Menschen jenseits des Spielfeldes auszeichnet, wird es wahrscheinlich noch eine gewisse Zeit dauern, bis Normalität einkehrt. Neue Normalität muss man wohl dann sagen, zunächst ohne Massenveranstaltungen wie Großturniere oder vollbesetzter Kölnarena. Wie schon zu Beginn der Saison werden unsere Heimspiel wahrscheinlich weiterhin nur mit vorheriger Registrierung und Vorverkauf stattfinden, eine Abendkasse ist derzeit nicht vorstellbar, da man unkoordinierte Menschenaufläufe verhindern möchte.

lscaktuell: Den Fokus auf das Sportliche habt ihr ja eigentlich, zumindest auf den ersten Blick, nie verloren.

 

Stark: Kinder müssen wieder in Bewegung gebracht werden!“

 

Chris Stark: Nein, das stimmt, ganz im Gegenteil, man versucht natürlich immer die bestmöglichen Bedingungen zu schaffen, auch wenn es in der Pandemie einfach schwierig ist und mit aller Vorsicht geschehen muss. Diesen ganzen Orga-Wirrwarr, beispielhaft nenne ich mal die Sitzplatzverteilung bei den Heimspielen der Ersten oder die Vorschriften bei Trainingseinheiten und Spielen der LSC-Jugend, versucht man von den Sportlern fernzuhalten. Aber auch die mussten sich ja komplett umgewöhnen, Rituale wie Kabinenansprachen oder Siegestänze waren auf einmal verpönt. Es ist klasse, dass unsere Konzepte gegriffen haben und wir bis zum zweiten Lockdown den Spielbetrieb geregelt über die Bühne bringen konnten. Hallen- und Spielplankonzepte wurden teilweise von Verband und anderen Vereinen übernommen. Rein sportlich sind wir auf vielen Ebenen sehr positiv in die Saison gestartet, die Erste mit 3 Siegen, auch die anderen Herrenmannschaften überzeugten bis zum Abbruch der Spielzeit. In der Jugend starteten wir beachtlich, vor allem im Bereich D- und E-Jugend sind wir derzeit das Maß aller Dinge in Köln und Umland. Schade, dass die Kids nicht weiteragieren konnten um sich fortlaufend weiterzuentwickeln. Das finde ich sowieso besonders schade und da wünsche ich mir mehr Rückhalt in der Politik: Kinder müssen wieder in Bewegung gebracht werden!

LSC aktuell: Wie hat man sich als Außenstehender das Pandemie Geschehen in einer Mannschaft wie der LSC Ersten vorzustellen?

Jens Warncke: Für die Sportler ist es wirklich nicht einfach. Wenn ich bespielhaft die Situation der Ersten Mannschaft im vergangenen Sommer betrachte: Für unsere Spieler wie auch den ganzen Staff war es keine leichte Situation, da wurde in der Vorbereitung wegen wechselnder Spieltermine oder Absagen doch recht viel Umorganisieren und Improvisation eingefordert. Auf der anderen Seite hatte der Club auch Verständnis, wenn mal zum Beispiel jobbedingt auf Trainingseinheiten verzichtet wurde. Grundsätzlich möchten die Spieler ihrem Sport nachgehen und es ist für sie eine riesige Umstellung, nicht zu trainieren und zu spielen. Wir reden ja hier von Leistungssportlern, die seit ihrer Kindheit ihr Leben auf Handball ausgerichtet haben und 3 bis 5 Mal in der Woche trainieren und dies gerne und mit voller Leidenschaft tun. Man kann es mit volltrainierten Rennpferden vergleichen, die nicht auf die Rennbahn dürfen. Jedoch ist bei uns das Maß an Verständnis für Schutzmaßnahmen stets hoch gewesen und man möchte zwar unbedingt seinem Sport nachgehen, übt sich aber in demütiger Geduld und freut sich einfach extrem darauf, dass es bald wieder richtig los geht, auch wenn die Online-Trainings oder Laufeinheiten die Form zumindest etwas erhalten konnten.

 

Jens Warncke: Für die Sportler ist es wirklich nicht einfach.

 

lscaktuell: Weichenstellungen für die Drittligamannschaft wurden bereits zu Beginn des Jahres getroffen und damit früher als in vergangenen Jahren.

Chris Stark: Das stimmt, wir haben zum Ende von 2020 beschlossen, dass wir früh Fakten schaffen wollen und haben mit Blick auf die kommende Saison bereits im Januar die Gespräche geführt und die Kaderplanung abschließen können. Mitunter waren es natürlich schwere Entscheidungen, jedoch liegt nun der Fokus auf der anstehenden Saison und da ist bei der Mannschaft eine große Aufbruchstimmung spürbar. Auch bei der Zweiten Mannschaft konnte wir frühzeitig den neuen Coach Freddy verpflichten und das Gerüst des Kaders steht.

lscaktuell: Apropos Trainer, der Vorstand legt ab Sommer auch wieder das Coaching der Ersten in deine Hände. Wie kam es dazu?

Chris Stark: Die Gespräche und das in mich und das neue Trainerteam gesetzte Vertrauen haben uns natürlich gefreut. Mit dem Konzept von unserem Trainer-Team um Philipp Krüger, Kiki Born und mir möchten wir an einigen Stellschrauben drehen. Es gilt zum einen, die sportlich erfolgreiche Arbeit der letzten Jahre fortzuführen und zum anderen für eine nachhaltige Entwicklung zu sorgen, mit neuem Schwung und einer veränderten Herangehensweise. Insgesamt geht es darum, den Club weiter Stück für Stück zu verbessern und die vielen positiven Dinge auf verschiedenen Ebenen weiter anzupacken und voranzutreiben. Insbesondere mit Blick auf die Entwicklung im Jugendbereich erwarten uns spannende Aufgaben.

lscaktuell: Wie geht es im Sommer weiter?

Jens Warncke: Mit einem ausgepfeilten Hygiene- und Testkonzept nehmen wir im Frühsommer das Training und die Vorbereitung auf. Mit einer entspannteren Pandemie-Lage, zum Beispiel durch einen Durchimpfung der Risikogruppen und eine Abnahme der schweren Fälle und Intensivbettennutzung hoffen wir natürlich mehr und mehr auf Normalisierung in Richtung Spätsommer, das heißt auch wieder einen geregelten Trainingsalltag. Wir haben in der Kommunikation mit unseren Dauerkarteninhabern sehr viel positives Feedback erhalten und gehen gestärkt in die kommenden Monate. Dass kurz nach unserem Anschreiben schon weit über die Hälfte ihr Dauerkartenabo verlängert hat, ist ein tolles Zeichen, dass die Lust auf Handball ungebrochen hoch ist.

Chris Stark: Wir hoffen im Sommer wieder auf Zuschauererlaubnis und -erlebnis und bieten unseren Fans Spiele gegen Bundes- und Zweitligamannschaften an. Zwei Traditionsmannschaften, echte Top-Gegner, haben ihr Kommen bereits zugesagt und das sind die Dinge, die einen aktuell trotz der Gesundheitslage, freuen und positiv stimmen. Grundsätzlich möchten wir unseren gesunden Optimismus immer weiter beibehalten.

Jens Warncke, Foto: LSC

lscaktuell: Ab April veranstaltet der DHB für die Drittligisten eine Aufstiegsrunde und eine weitere Runde mit Ziel Qualifikation für den DHB Pokal. Ihr habt auf eine Teilnahme verzichtet, was sind die Gründe dafür?

Jenner Warncke: In enger Abstimmung mit der Mannschaft, die sich zum Großteil gegen eine Spielaufnahme im April ausgesprochen hat, wurde diese Entscheidung getroffen. Da geht es aber überhaupt nicht darum, dass wir nicht ambitioniert sind und uns nicht gerne schnellstens wieder sportlich messen wollen. Im Gegenteil, wir möchten unsere nachhaltige Entwicklung gerne fortführen. Ein wichtiger Punkt bei einer Aufstiegsrunde ist natürlich ein mögliches Aufstiegsszenario, für die 2. Bundesliga muss allerdings die Sponsoringbereitschaft und die Hallenfrage in Köln beleuchtet werden, da haben wir gerade gute Neuigkeiten erfahren mit der Hallenbebauung des Radstadions und einer Mehrzweckhalle für 3000 Zuschauer, wo man auch Zweitligahandball austragen könnte oder auch eine Top-Begegnung in der 3. Liga.

Chris Stark: Grundsätzlich vertrete ich die Meinung, dass es in einer abgebrochenen Saison auch keine Aufsteiger geben darf. Ein Aufsteiger muss sich in einer Saison durchsetzen, nicht in einer künstlich geschaffenen Aufstiegsrunde wo Mannschaften teilnehmen, die es sich leisten wollen. Für die Alternativ-Runde fehlte uns beim LSC die Fantasie. In einer Zeit, wo Inzidenzzahlen steigen und es immer noch um die Reduktion von Kontakten geht wäre es aus unserer Sicht unvernünftig gewesen, ab April wieder quer durch die Republik zu reisen. Zuschauer wären eh nicht zugelassen gewesen. Ein wichtiger Aspekt ist noch, dass wir aufgrund der Restriktionen nach wie vor keine Trainingserlaubnis in Köln haben und nach mehrmonatiger Pause von Null auf Hundert hätten fahren müssen, zu Lasten der Gesundheit der Spieler.

Jenner Warncke: Die Verletzungsgefahr wäre zu groß gewesen. Deshalb wurde die Vorbereitung auf die neue Saison nach vorne gezogen und wir haben nun Planungssicherheit für den Sommer. Für dieses Vorgehen haben wir auch im Umfeld Verständnis und viel positive Resonanz erhalten.

lscaktuell: Welche Projekte werden im Hintergrund beim LSC derzeit noch angestoßen?

Jens Warncke: Wir legen gerade eine Strategie an, die ermöglicht, dass es den LSC auf hohem Niveau noch lange erfolgreich geben wird, wir Talente fundiert ausbilden können und das Sportangebot im LSC vergrößern können. Neben den angesprochenen Sommerspielen haben wir zum Beispiel weiter an der Digitalisierung des Clubs gearbeitet und werden da im Bereich Ticketing eine deutliche Modernisierung und Verbesserung haben.

Chris Stark, Foto: LSC

Chris Stark: Ein weiteres langfristiges Projekt ist die LSC-Sporthalle, das zwar noch in den Kinderschuhen steckt, aber bereits ernsthaft angegangen wird. Es geht um den Bau einer vereinseigenen Halle für den Jugend- und Leistungsbereich. Dies ist in meinen Augen ein weiterer wichtiger Schritt beim Vorhaben, den LSC voranzubringen. Wir planen für den Sommer erstmals Trainingslager für Kinder über mehrere Wochen und möchten da gerne den Druck von den Familien nehmen, die pandemiebedingt nicht in den Urlaub fahren können und so ihren Kindern etwas Tolles anbieten können. Im Kleinen beschäftigen wir uns gerade mit der Ausstattung des LSC-Bereichs in der Carl-von-Ossietzky-Sporthalle, unserer neuen LSC Arena, in der übrigens mittlerweile auch das Licht hervorragend funktioniert. Im Bezug auf die Gesamtschule in Longerich möchten wir gerne unser in der Schublade liegendes Handball-Projekt umsetzen, das pandemiebedingt noch nicht stattfinden konnte. Das sind jetzt mal kleine Einblicke und Bereiche, an denen wir beim LSC unter Mitwirkung von vielen Beteiligten ehrenamtlich im Hintergrund arbeiten.

 

 

 

lscaktuell: Überhaupt nicht Hintergrund sondern im Fokus der gesamten Öffentlichkeit steht gerade Chrisi „Roy“ Wolf, der per Blitztransfer zum Bundesligisten TuSEM Essen gewechselt ist. Wie kam es dazu?

Chris Stark: Eine überragende Geschichte für Roy und eine Belohnung für seine Leistungen und seine Leistungsentwicklung im Abwehrspiel in den letzten Jahren. Auch für den LSC ist es eine coole Sache, der ganze Club freut sich mit und drückt ihm für die 8 Spiele, auf die die Leihgabe begrenzt ist, die Daumen. Es ging alles recht schnell, ich kenne den Trainer Jamal Nadj recht gut und nach einigen Telefonaten, ersten Trainingseinheiten und Klärung der Passangelegenheiten stand er beim Heimspiel gegen Stuttgart bereits einige Minuten auf dem Feld und hat sich gut eingefügt. Nach den ersten Tagen muss man klar sagen, dass es bisher nur Gewinner bei der Sache gibt. Dem TuSEM, der verletzungsgeplagt ist, kann er bei Spielen punktuell helfen und zu hoher Trainingsqualität beitragen.

Jenner Warncke: Es zeigt ja  auch, wie hoch das Sportliche Niveau der 3. Liga ist, Top-Spieler können in höheren Ligen mitspielen, das beweisen auch Wechsel in den vergangenen Jahren. Wir brennen darauf, auch selber wieder Top-Handballsport im Sommer präsentieren zu können.

lscaktuell: Wir drücken die Daumen, dass das klappt! Danke für das Gespräch.

Das Interview führte Stefan Keil für lscaktuell

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