Der Longericher SC Köln hat im Topspiel der 3. Liga Süd-West ein echtes Ausrufezeichen gesetzt. Beim Tabellendritten HSG Hanau feierte der LSC einen verdienten 34:30-Auswärtssieg (14:15) – und das unter denkbar schwierigen Voraussetzungen.
Es war ein Erfolg, der nicht nur aufgrund der Tabellenkonstellation Gewicht hat, sondern vor allem wegen seiner Entstehung: geprägt von Rückschlägen, Anpassungen – und einer herausragenden Teamleistung.
Die Partie begann hektisch und fehleranfällig, insbesondere auf Seiten des LSC. Hanau nutzte die Unsicherheiten und ging früh in Führung. Trainer Chris Stark: „Mit der Startphase konnten wir überhaupt nicht zufrieden sein, da waren wir recht fahrig. Über Biss in der Abwehr und zunehmende Sicherheit im Angriffsspiel kamen wir dann langsam aber sicher ins Spiel. “ Dennoch lief der LSC einem Rückstand hinterher, auch wegen dem Auslassen von vier Torchancen vom Kreis und von Rechtsaußen.
Früher Schock: Rote Karte gegen Schulz
Doch der eigentliche Knackpunkt der ersten Halbzeit folgte in der 15. Minute:
Lukas Martin Schulz, Spielmacher und zentraler Kopf im Kölner Angriffsspiel, sah nach einer Abwehraktion die rote Karte und musste frühzeitig vom Feld.
Damit verlor der LSC nicht nur einen seiner besten Torschützen, sondern auch seinen Strukturgeber im Angriff. In der Folge lag die Verantwortung bei Severin Henrich, Jonas Kämper und dem jungen Lars Becker, die wegen Loic Kaysens Ausfall als einzige Rechtshänder im Rückraum übrig blieben.
Moral bewiesen: LSC bleibt im Spiel
Trotz des Rückschlags hielt der LSC das Spiel offen. Zwar blieb Hanau zunächst leicht in Führung, doch Köln ließ sich nicht abschütteln. Immer wieder fand das Team Lösungen, kämpfte sich heran und glich kurz vor der Pause sogar aus.
Mit einem knappen 14:15-Rückstand ging es schließlich in die Kabine – eine Ausgangslage, die alle Möglichkeiten offenließ.
LSC-Linksaußen Benni Richter verrät, was in der Pause besprochen wurde: „Die Analyse zur Halbzeit war klar: Mehr Zielstrebigkeit im Angriff, stabilere Abläufe – und vor allem ein deutlich verbesserter Start in die zweite Hälfte. Es galt ein paar Kleinigkeiten zu verbessern, ins Tempospiel zu kommen und so das Spiel auf unsere Seite ziehen.“
Überragende zweite Halbzeit: LSC dreht das Spiel
Was dann folgte, war eine Demonstration von Mentalität und Qualität. Der LSC kam hochkonzentriert aus der Kabine und setzte genau die angesprochenen Anpassungen um. Vor allem die Defensive funktionierte jetzt deutlich besser: Der Innenblock um Malte Nolting und Severin Henrich stabilisierte sich, Ballgewinne wurden konsequent genutzt, Hanau kam deutlich schwerer zu klaren Chancen. Gleichzeitig agierte Köln im Angriff zielstrebiger und effizienter. Die Folge: Der LSC drehte das Spiel und setzte sich Schritt für Schritt ab.
Über 15:17 und 16:19 wuchs der Vorsprung auf mehrere Tore an bis zum 17:22 in der 40. Minute– die Partie war gekippt mit einem 8:2 nach der Pause aus LSC-Sicht.
Breite entscheidet: Jeder übernimmt Verantwortung
Besonders bemerkenswert war die Verteilung der Verantwortung innerhalb des Teams: Der nach längerer Pause wieder eingesetzte Lennart Niehaus überzeugte mit 8 Treffern (3/3 Siebenmeter), Malte Nolting steuerte 5 Tore bei, Jonas Kämper traf 4-mal, auch Nico Pyszora, Benjamin Richter und Lars Becker setzten wichtige Akzente
Gerade Youngster Becker zeigte in wichtigen Momenten Mut und Qualität – ein Sinnbild für die Breite und den Zusammenhalt im Kader.
Hanau kämpft – Köln bleibt cool
Natürlich gab sich Hanau nicht geschlagen. Immer wieder verkürzten die Gastgeber den Rückstand, kamen zwischenzeitlich auf zwei Tore heran und versuchten, das Spiel erneut zu drehen. Doch der LSC ließ sich diesmal nicht mehr aus der Ruhe bringen.
In den entscheidenden Phasen fand Köln stets die richtigen Antworten – sei es durch wichtige Treffer, stabile Abwehrarbeit oder clever ausgespielte Angriffe.
Spätestens in der Schlussphase war klar: Dieses Spiel würde der LSC nicht mehr aus der Hand geben.
Große Bedeutung für Tabelle und DHB-Pokal
Der Sieg hat auch tabellarisch enorme Bedeutung: Der LSC hat Platz 4 sicher, der Rückstand auf Hanau (Platz 3) beträgt nur noch einen Punkt. Im Vergleich der viertplatzierten Teams liegt Köln aktuell auf DHB-Pokal-Kurs (die 2 besten Vierten der dritten Ligen ziehen neben den Top3 der Ligen auch in den DHB Pokal ein).
Trainer Chris Stark war nach dem Spiel mächtig stolz: „Der Start war nicht so gut, aber dann haben wir uns famos reingekämpft und die Kontrolle bekommen über unser Spiel, das Game gedreht mit grandioser zweiter Hälfte und dann verdient gewonnen, auch weil wir in so mancher Situation dann auch das Spielglück auf unserer Seite hatten. Das gehört dann eben auch dazu in so einem Spitzenspiel. Die Jungs haben wieder alles gegeben, jeder für jeden gekämpft und sich als Einheit stark präsentiert, Kompliment an die Jungs.“
Mit dem fünften Sieg gegen Hanau hintereinander und mächtig Rückenwind geht der LSC nun in das nächste Highlight: das Heimspiel vor großer Kulisse in der Motorworld – mit der Chance, eine ohnehin schon starke Saison weiter zu vergolden.
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